SFL fordert einheitliche Quarantänemassnahmen

  • Zuletzt blieben infolge der kantonalen Quarantänemassnahmen viele Ersatzbank-Sitze in den Stadien der SFL leer. (freshfocus)

In den letzten Tagen waren die Klubs der Swiss Football League (SFL) bei positiv auf das Coronavirus getesteten Spielern mit sehr unterschiedlichen Entscheiden der Kantonsärzte in Bezug auf die Verhängung von Quarantänemassnahmen konfrontiert. Deshalb fordert die SFL die kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren in einem Schreiben auf, die Massnahmen individualisiert zu beurteilen und schweizweit zu vereinheitlichen.

Die SFL hat zusammen mit ihren 20 Klubs in den letzten Monaten enorme Anstrengungen zur Erarbeitung von detaillierten und möglichst wirksamen Schutzkonzepten unternommen. Die Massnahmen und Prozesse in den Konzepten wurden mit den zuständigen Stellen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte der Schweiz (VKS) intensiv vorbesprochen und nach deren Vorgaben ausgestaltet.

Ein wichtiger Aspekt bei der Erarbeitung der Konzepte war der Anspruch, im professionellen Trainings- und Spielbetrieb derart strenge Schutzmassnahmen und Verhaltensweisen vorzugeben, die bei einem positiven Testergebnissen verhindern, dass die Mitspieler bei Einhaltung der Vorgaben als enge persönliche Kontakte eingestuft werden. Die SFL erhielt von den genannten Stellen die Rückmeldung, mit den im Konzept formulierten Massnahmen die Gefahr minimieren zu können, dass bei einem positiven Fall automatisch die ganze Mannschaft unter Quarantäne gestellt wird.

SFL benötigt dringend eine Lösung und schlägt Prozedere vor

In den letzten Tagen wurden nun mehrere komplette Mannschaften in eine 10-tägige Quarantäne beordert, ohne dass von den kantonsärztlichen Diensten eine Verletzung der Schutzkonzepte durch Spieler oder Staffmitglieder festgestellt wurde. Die Entscheide über die Quarantänemassnahmen waren zudem von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich. Dieses Vorgehen widerspricht den im Vorfeld der Saison durch das BAG und die VKS abgegebenen Stellungnahme und gefährdet die sportliche Fairness und den geordneten Spielbetrieb der professionellen Fussballmeisterschaften. In keiner uns bekannten ausländischen Liga werden in dieser Anzahl ganze Mannschaften in Quarantäne gesetzt, nicht einmal in Ländern mit ansonsten weitergehenden Restriktionen.

Um diese Gefahr zu minimieren, benötigen die SFL und ihre Klubs dringend eine Lösung. Als Grundlage für individualisiert beurteilte und schweizweit einheitliche Entscheide bei positiven Fällen in den Klubs schlägt die SFL deshalb der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) in einem heute zugestellten Schreiben folgendes Prozedere vor:

  • Alle Spieler und Betreuer der 20 Klubs werden zeitnah und zum gleichen Zeitpunkt – im Idealfall in der Länderspielpause von kommender Woche – auf das Coronavirus getestet.

  • Im weiteren Verlauf der Meisterschaft werden die gleichen Personen bei positiven Fällen im Umfeld der Mannschaft und vor jeder Meisterschaftsrunde mittels Schnelltests getestet. (Der SFL ist bewusst, dass Schnelltest präventiv im Sportbereich nicht vorgesehen sind. Der Vorschlag wird zur Erreichung eines sicheren und funktionierenden Meisterschaftsbetriebs eingebracht.)

  • Die positiv getesteten Personen begeben sich gemäss behördlicher Vorgaben sofort in Isolation.

  • Der Rest der Mannschaft schränkt die sozialen Kontakte in einer abgeschwächten Form der Quarantäne ein, kann aber bei negativen Testergebnissen die Wohnung für den Trainings- und Spielbetrieb punktuell verlassen, womit der Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Der SFL ist sich der Tatsache bewusst, dass die behördlichen Stellen im Gesundheitswesen in dieser für alle ausserordentlich herausfordernden Zeit unglaublich gefordert sind. Der professionelle Fussball ist aber überzeugt, mit den strengen Schutzkonzepten und dem oben genannten Prozedere die Basis für eine einvernehmliche Lösung legen zu können.

Die SFL appelliert in Bezug auf ihren Spielbetrieb an die Dringlichkeit ihres Anliegens und bittet die GDK um einen zeitnahen Termin zur Besprechung der Vorschläge, die das gemeinsame Ziel verfolgen, die Quarantänemassnahmen bei positiven Fällen im Profifussball individuell zu beurteilen und schweizweit zu vereinheitlichen.