St. Gallen auch Leader in Sachen Konstanz und Torschützen

  • Für Peter Zeidler und seinen FC St. Gallen gab es in der aktuellen Saison sportlich gesehen bisher nur eine Richtung: nach oben. (freshfocus)

Der FC St.Gallen 1879 steht seit dem 2. Februar 2020 an der Tabellenspitze der Raiffeisen Super League. Die «Espen» verdanken ihren Erfolg zahllosen Faktoren. Zwei davon sind aber besonders interessant und eine genauere Analyse wert.

Die «schönste Nebensache der Welt»
In Zeiten wie diesen gibt es Wichtigeres als Fussball. Trotzdem möchten wir die Zwangspause nutzen, um die «schönste Nebensache der Welt» nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen. In einer losen Serie stellen wir Protagonisten verschiedener Klubs mit speziellen Statistiken in den Fokus und fragen sie, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

In der 20. Runde erklomm der FC St. Gallen dank einem 2:1-Auswärtssieg beim FC Basel den Thron der Raiffeisen Super League. André Ribeiro erzielte den Siegtreffer in der 93. Spielminute. Dass die Ostschweizer derzeit Titelverteidiger YB und den vormaligen Serienmeister Basel hinter sich lassen, verdanken sie vor allem zwei Faktoren. Da ist erstens die beeindruckende Konstanz zu erwähnen. Von 24 bisher in der Meisterschaft eingesetzten Spielern, haben neun mindestens 20 Partien absolviert. Zum Vergleich: Der FC Luzern, Neuchâtel Xamax FCS und der Servette FC bringen es auf 6 Spieler, der FC Sion und der FC Thun nur auf 3.

Peter Zeidler freut sich ausgiebig nach dem Last-Minute-Sieg des FCSG in Basel

«Wir haben eine gute Balance gefunden mit Spielern, die sich taktisch verstehen und sich gegenseitig ergänzen», erklärt St. Gallen-Trainer Peter Zeidler den derzeitigen Höhenflug seiner Mannschaft. Die aktuelle Tabellensituation ist denn auch bestes Zeugnis für die hervorragende Arbeit des deutschen Fussballlehrers. Belohnt wurde auch Zeidlers Mut, junge Talente wie Stergiou, Muheim und Fazliji den Vorzug vor den ehemaligen Nationalspielern Vilotic, Rüfli und Costanzo zu geben. «Die drei letztgenannten Akteure sind sehr gute Spieler, mit einer herausragenden Mentalität. Aber die anderen sind im Moment einfach besser und passen derzeit besser ins System», begründet der 57-jährige Zeidler seinen Entscheid.

«Ich habe seit drei Wochen keinen Fussball mehr geschaut. Eine Premiere für mich.»

Peter Zeidler (Trainer FC St.Gallen 1879)

Offensive, aber nicht um jeden Preis
Neben der Konstanz der Stammakteure spricht derzeit auch die Philosophie, auf Angriff zu setzen, für die Ostschweizer. Der FC St. Gallen verfügt mit 51 erzielten Toren (durchschnittlich 2,22 pro Spiel) über die aktuell beste Offensive der Liga.

Wie sieht Ihr Home-Office aus?
Wir haben in der Schweiz das Glück, dass es keine Ausgangssperre gibt und wir immer noch nach draussen gehen können. Ich nutze die Gelegenheit, um zu joggen, Rad zu fahren, die Berge zu geniessen, kurz, um Freiheit zu atmen. Ansonsten halte ich mich nicht nur über die aktuelle Situation auf dem Laufenden, sondern ich lese viel, spreche mit meinen Spielern, bleibe in Kontakt mit meinen Kollegen, insbesondere mit dem Präsidenten und dem Sportdirektor, und rufe Freunde an, mit denen ich seit fünf oder zehn Jahren keine Zeit zum Reden hatte. Da ich eine positive Natur bin, sage ich mir, dass das Leben trotz allem schön ist und dass diese gegenwärtig sehr schwierige Zeit in vielerlei Hinsicht für die Menschheit und für das persönliche Leben lehrreich sein wird. Ich hoffe jedoch, dass es nicht zu lange dauern wird. Der Trainer in mir verspürt natürlich den starken Wunsch, zu seiner Mannschaft, der Meisterschaft und den fantastischen Fans im kybunpark zurückzukehren.

Mit Quintillà, Demirovic, Itten und dem verletzten Babic haben zudem vier Spieler jeweils mindestens sieben Tore erzielt. Da kann derzeit kein anderer Klub in der Raiffeisen Super League mithalten. Bei Basel sind es drei Spieler mit sieben oder mehr Treffern, YB verfügt mit dem aktuellen Torschützen-Leader Nsame (18 Tore) gar nur über einen Spieler im Kader mit mehr als sieben Toren. «Meine Liebe zum Offensivspiel bringt mich oft dazu, mit drei Nummern 9 zu spielen. (häufig mit Itten, Demirovic, Babic oder Guillemenot; Anmerk. d. Red.). Das ist sicher einer der Hauptgründe für unsere Angriffseffizienz», schmunzelt Zeidler. «Das funktioniert aber nur mit einer grossen Opferbereitschaft der Spieler. Besonders wenn der Ball verloren geht müssen wir sofort reagieren können. Wenn das Umschalten nicht richtig gemacht wird, wird es kompliziert und wir gewähren dem Gegner Kontermöglichkeiten.»

Zeidler: «Unsere Freude wird noch grösser werden»
Trotz der hervorragenden Ausgangslage sind die Gedanken beim FCSG derzeit nicht beim Fussball oder einem möglichen dritten Titel der Klubgeschichte nach 1904 und 2000. «Es gibt Dinge, die wichtiger sind als Fussball. Viele Leute wussten das, aber jetzt hoffe ich, dass es für jeden klar ist», sagte Peter Zeidler mit der von ihm gewohnten Offenheit. «Ehrlich gesagt interessiert mich der aktuelle Tabellenstand überhaupt nicht. Ich habe seit drei Wochen keinen Fussball mehr geschaut. Eine Premiere für mich! Ich liebe meinen Job, Fussball ist mein Leben. Aber manchmal muss man anderen Dingen den Vorzug geben, sich aufmerksam informieren, nachdenken. Unsere Freude wird noch grösser werden, wenn sich die Situation wieder normalisiert hat und wir uns wieder unserer Leidenschaft Fussball widmen können. Wir können es kaum erwarten...»

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