Der Architekt des neuen Xamax tritt ab

  • Am 2. Juni 2019 erlebte Christian Binggeli (links mit Geoffrey Tréand) den wohl emotionalsten und magischsten Triumph mit Xamax: Den Klassenerhalt im Aarauer Brügglifeld. (freshfocus)

Im Geschichtsbuch von Neuchâtel Xamax FCS endet ein emotionales und auch erfolgreiches Kapitel: Nach mehr als sieben Jahren als Patron und 13 Monaten als Präsident tritt Christian Binggeli schweren Herzens zurück. Die SFL verliert nicht nur einen passionierten Klub-Patron, sondern auch eine überaus liebenswerte und stets positiv eingestellte Persönlichkeit.

«Ich kann dem Verein nichts mehr geben. Wer zahlt, entscheidet», begründet der langjährige Xamax-Chef seine wohlüberlegte Entscheidung. 2012 als Retter bejubelt, entwickelte sich Binggeli zum Architekten des neuen Xamax, das er nach dem Tschagajew-Konkurs erfolgreich wiederbelebte.

In seiner Zeit als Klub-Patron vom Frühling 2012 bis Dezember 2019 führte der Mann aus Echandes im Kanton Waadt die Neuenburger aus der 2. Liga inter zurück ins Rampenlicht der Raiffeisen Super League und feierte am 2. Juni 2019 mit dem Klassenerhalt wohl seinen aufwühlendsten und emotionalsten Triumph. «Vom Donnerstag und der 0:4-Niederlage auf der Maladière bis zum Sonntagabend erlebte ich drei verrückte Tage», erinnert sich Binggeli. «Sie waren geprägt von Beleidigungen, Gewalt, der Spuck-Affäre um Raphaël Nuzzolo (wurde später freigesprochen) und unzähligen Diskussionen mit den Spielern, um ihnen klar zu machen, dass noch nichts verloren ist. Und dann war da dieses verrückte Spiel, das nervenzerreissende Elfmeterschiessen (5:4-Sieg) und schliesslich die Rückreise nach Neuenburg, wo uns mehr Leute empfingen als beim Aufstieg.» Und dann fügt er noch hinzu: «Diejenigen, die mich am Donnerstag noch angespuckt haben, riefen mir am Sonntag 'Bravo Président!' zu...»

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Beinahe zwei Punkte im Schnitt in 241 Spielen
Der Erfolg des scheidenden Präsidenten ist umso bemerkenswerter, als er 2012 den Traditionsklub ohne jegliche Fussballerfahrung übernahm. «Ich war immerhin Spieler in der 4. Liga», verteidigt sich Binggeli mit einem Schmunzeln. «Ich habe Xamax wie mein Unternehmen (DC Technique in Bevaix, Anmerk. d. R.) geführt und mich dabei immer viel Wert auf familiäre und menschlichen Führung, gute Kommunikation und positive Einstellung gelegt.» Das ist ein Erfolgsrezept: Unter seiner Führung gewann Xamax vom 11. August 2012 bis zum 7. Dezember 2019 von 241 Meisterschaftspartien deren 136, schossen die Neuenburger 502 Tore und erzielten einen Punkteschnitt von 1,91.

Ein Meister der Verhandlung
Trotz klammem Budget, dass keine Extravaganzen zulässt, vollbrachte Binggeli in der Vergangenheit, dank seiner Art und seinem Kommunikationstalent wahre Meisterleistungen, wenn es um die Zusammensetzung des Kaders ging. Er brachte erfahrene und heftig umworbene Ex-Xamaxiens wie Laurent Walthert, Charles-André Doudin, Kiliann Witschi oder Mike Gomes dazu, an den Neuenburgersee zurückzukehren. Xamax spielte damals nur in der 1. Liga. Nach dem Aufstieg in die Promotion League lotste der gewandte Verhandler den Bieler Pietro Di Nardo zu Xamax und in der Brack.ch Challenge League holte er den «verlorenen Sohn» Raphaël Nuzzolo zurück. Einer fehlt noch in der Aufzählung. «Kemal Ademi», ergänzt Binggeli. «Neben Michel Decastel war ich der einzige, der an diesen Spieler glaubte.» Doch was war sein Geheimrezept? «Wie habe ich diese Spieler überzeugt? Ich habe ihnen allen gesagt: Ich brauche euch zum Wohle von Xamax und dafür gebe ich euch alles, was ich kann. Und sie haben mir vertraut.»

Binggeli: «Ein Entscheid der Vernunft»
Es gab aber auch schwierige Entscheidungen, die dem Mann mit dem Xamax-Logo auf seinem Herzen nicht einfach gefallen sind. «Es hat mir das Herz gebrochen, mich im Februar 2019 von Trainer Michel Decastel zu trennen», gesteht der scheidende Präsident. Auch wenn dieser mittlerweile als Talent-Manager wieder für Xamax arbeitet. «Wir waren echte Freunde, aber eine Stimme sagte mir, dass wir zum Wohle des Vereins wechseln müssen, um der Mannschaft einen Schub zu geben. Stéphane Henchoz gab dem Team einen Schub. Er war die richtige Person zur richtigen Zeit.»

Ein paar Monate später folgte der mirakulöse Klassenerhalt in Aarau und der Xamax-Patron verkaufte den Klub schliesslich an seinen Nachfolger Jeff Collet. «Es war eine Entscheidung der gesamten Familie. Mein Sohn Greg und ich hatten von Anfang an das Ziel, den Verein sportlich und vor einem drohenden Bankrott zu retten. Es war nicht meine Absicht, mich persönlich zu verschulden, auch nicht für Xamax. Ich sehe den Verkauf als Entscheid der Vernunft.»

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