Saisonvorschau Raiffeisen Super League 2019/20

In der Kompaktvorschau zur Saison 2019/20 steht die Frage im Zentrum: Welche «Legende» steht für welches Team? Was für Persönlichkeiten haben den SFL-Klubs ihren Stempel aufgedrückt? Zudem werden im Rückblick einige Statistiken der abgelaufenen Saison repetiert. Abgerundet wird die Vorschau wieder mit schönen Anekdoten aus dem umfassenden SFL-Archiv und dem reichhaltigen Geschichten-Fundus des «ZWÖLF»-Magazins. Damit glänzt du bei jeder Stammtischrunde!

BSC Young Boys

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 1 Platz
Bester Skorer: Guillaume Hoarau (24T/6A/28Sp)
Besonderes: Viermal Zweiter reichte ihm: Guillaume Hoarau krönte sich in der Saison 2018/19 mit 24 Toren erstmals zum Torschützenkönig. In den vorangegangenen vier Spielzeiten musste er sich immer mit Rang 2 begnügen

Anzahl Saisons in 1. Division: 81. Saison(1933-47, 1950-97, 1998-99, 2001-20)
Debüt-Saison in 1. Division: 1933
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
3

Alle Tore von Guillaume Hoarau 2018/19:

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Den Mann, der später zur Klublegende aufsteigen sollte, lotste YB 1951 für gerade einmal 4'000 Franken von Schaffhausen nach Bern. Mit Eugen «Geni» Meier schwang sich Gelbschwarz zur absoluten Spitzenmannschaft auf. Der stämmige Offensivspieler mit dem gewaltigen Schuss – er wurde auch «Bombenmeier» genannt – brillierte als Mittelläufer oder Spielmacher, ganz besonders aber als Torschütze. 247 Treffer alleine in der Liga, auch im Europacup war er ein Torgarant. Im Halbfinale des Meistercups 1958/59 liess er die Berner gegen Stade Reims mit seinem 1:0 vom Endspiel träumen, doch der Favorit setzte sich im Rückspiel durch. In der Nationalliga A hingegen war YB nicht zu stoppen: Vier Titel in Serie heimsten sie ein, ein fünfter wäre womöglich gefolgt, wären die Berner nicht im Winter 1960/61 zu einer Asienreise aufgebrochen. Einen Monat lang spielten sie in der Hitze von Sri Lanka, Vietnam oder Thailand, kehrten angeschlagen und total ausgelaugt zurück und verloren den Titel an Servette.

Geni Meier (l.) und Köbi Kuhn (Quelle: bzbasel.ch)

Geni Meier im Fussball-Archiv SFL GLORY

FC Basel

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 2. Platz
Bester Skorer: Albian Ajeti (14T/8A/32Sp)
Besonderes: Zum zweiten Mal in Serie mussten die Basler in der Meisterschaft dem Rivalen YB den Vortritt lassen. Nachdem der FCB 2017/18 aber ohne Titel abschliessen musste, reichte es 2018/19 immerhin zum Cupsieg. Im Final bezwang das Team von Marcel Koller den FC Thun mit 2:1

Anzahl Saisons in 1. Division: 77. Saison(1933-39, 1942-45, 1946-88, 1994-2020)
Debüt-Saison in 1. Division: 1933
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
3

Basels 13. Cupsieg im Video (Quelle: Youtube)

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Es gab auf Schweizer Plätzen kaum einen treffsichereren als Josef «Seppe» Hügi. 245 Ligatore, drei Mal in Folge Torschützenkönig, dazu 22 Goals für die Nationalmannschaft. Woher Hügi diese Präzision hatte, erfuhren die Fans erst nach seinem Rücktritt, als er das amüsante Buch «Ein Fussballer erzählt» veröffentlichte. Fast hätte sich nämlich Basel selbst um einen seiner grössten Goalgetter gebracht. Der kleine Josef, ein Arbeiterkind, musste sich mangels Rasenplatz und Fussball mit seinen Freunden damit behelfen, einen Tennisball in Strassendolen zu bugsieren. Bloss: Nach jedem Treffer mussten die Knaben den schweren Dolendeckel anheben, was Lärm verursachte und auch gefährlich war. Also patrouillierten Polizisten, wer erwischt wurde, musste mit auf den Posten und die Eltern, die Fussball als «verderblichen Unfug» sahen, erhielten eine Meldung. Doch Seppe Hügi liess sich nicht abhalten und war mit 19 Jahren schon so begehrt, dass ihn der FC Barcelona verpflichten wollte. Doch Hügi, genannt «Goldfiessli», blieb dem lokalen FCB treu und wurde zur Legende. Zum Glück waren die Basler Polizisten damals nicht präsenter!

Die FCB-Meistermannschaft von 1953 (Quelle: fcb.ch)

(Stehend von links) Bielser, Maurer, Bannwart, Schley, Weber, Mogoy, Thalmann, Redolfi sowie (sitzend) Bopp, Hans Hügi, Müller, Trainer Bader und Seppe Hügi.

Seppe Hügi im Fussball-Archiv SFL GLORY

FC Lugano

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 3. Platz
Bester Skorer: Alexander Gerndt (9T/10A/32Sp)
Besonderes: Die «Bianconeri» waren 2018/19 die Remis-Könige der Raiffeisen Super League. 16 Mal in 36 Runden teilten sie sich die Punkte mit dem Gegner

Anzahl Saisons in 1. Division: 59. Saison(1933-53, 1954-60, 1961-63, 1964-76, 1979-80, 1988-97, 1998-2002, 2015-20)
Debüt-Saison in 1. Division: 1933
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
7

Schlusstabelle FC Lugano 2018/19

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Im Juni 1990 verteidigt Mauro Galvão an der WM in Italien für Brasilien gegen Diego Maradona oder Tomas Brolin. Nur einen Monat später erwartet er im Cornaredo an der Seite von Pierluigi Tami die Angriffe des FC St. Gallen und erlebt, wie der Schiedsrichter irrtümlich schon nach 40 Minuten zur Pause pfeift. Wie konnte so ein Weltstar beim Tessiner Abstiegskandidaten landen? Der Grund: eine fehlende Null. Sein Verein Botafogo bot Galvão in Europa an, der FC Lugano handelte sofort, als er die auf dem Fax vermerkte Ablösesumme von 300'000 US-Dollar las. Erst bei der Vertragsunterzeichnung flog das Missverständnis auf: Botafogo wollte eigentlich 3 Millionen für den Klassemann, doch da war es bereits zu spät. Galvãos Frau hatte sich bereits unsterblich in die Stadt am See verliebt, die sie «Klein Rio» taufte, und wollte auf keinen Fall mehr weg. Lugano besserte das Angebot leicht nach, schliesslich blieb Galvão, den Pierluigi Tami als den besten Ausländer auf Schweizer Plätzen aller Zeiten bezeichnete, sechs Jahre und über 200 Spiele im Tessin. Mit ihm mauserte sich der FC Lugano zum Spitzenteam, feierte mit dem Cupsieg 1993 seinen letzten Titel und den grössten Sieg der Geschichte, als man im UEFA-Cup Inter Mailand ausschaltete.

Luganos Cupsieg 1993 mit Mauro Galvao (Quelle: Youtube)

Mauro Galvao im Fussball-Archiv SFL GLORY

FC Thun

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 4. Tabellenplatz
Bester Skorer: Dejan Sorgic (15T/5A/33Sp)
Besonderes: Der FC Thun lag 2018/19 lange auf Kurs, seine beste Tabellenrangierung (Platz 2 Saison 2004/05) zu egalisieren. Lange hielten die Berner Oberländer mit YB-Verfolger FC Basel Schritt, danach ging dem FCT aber ein wenig der Sprit aus. In den letzten drei Runden mussten die Thuner aber noch Lugano an sich vorbeiziehen lassen. Im Cup winkte Thun sogar der erste Titel der Klubgeschichte. Das Team von Marc Schneider unterlag aber Basel mit 1:2

Anzahl Saisons in 1. Division: 17. Saison(1954-55, 2002-08, 2010-20)
Debüt-Saison in 1. Division: 1954
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
3

Tabellenverlauf FC Thun 2018/19

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Als Thun-Trainer Matthias Rossbach im September 1964 seinem 17-jährigen Torwart das Vertrauen für die bevorstehende Partie gegen Schaffhausen aussprach, hatte er noch keine Ahnung davon, dass er damit den Grundstein legte für einen nachhaltigen Aufschwung des Vereins. Hanspeter Latour hiess nämlich dieser junge Keeper, der bei seinem Debüt gleich ohne Gegentor blieb. Es dauerte eine Weile, bis sich Latour als Stammtorwart in der Nationalliga B etabliert hatte, doch er vermochte derart zu überzeugen, dass ihm das nach 91 Spielen für Thun einen Transfer zu den Young Boys in die NLA einbrachte. Noch mehr Eindruck im Berner Oberland hinterliess Latour freilich als Trainer: 2001 übernahm er den Klub in der NLB, führte ihn in die Super League und dort 2004/05 zur Vizemeisterschaft, was später gar zur Champions-League-Teilnahme führte. Und das alles, während er mit sympathischen Aktionen (Läckerli verteilen im Oberland) und charismatischen Auftritten («Das isch doch e Gränni!») zur Kultfigur reifte.

Hanspeter Latour in Action (Quelle: Youtube)

Hanspeter Latour im Fussball-Archiv SFL GLORY

FC Luzern

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 5. Platz
Bester Skorer: Blessing Eleke (13T/5A/32Sp)
Besonderes: Mit Pascal Schürpf stellte der FC Luzern in der Saison 2018/19 den Spieler mit den meisten geführten Zweikämpfen. 927 Mal musste sich der Stürmer behaupten, 440 Mal ging er als Sieger hervor. Von 477 Kopfball-Duellen gewann der 1m90-Hüne 256

Anzahl Saisons in 1. Division: 60. Saison(1936-44, 1953-55, 1958-66, 1967-69, 1970-72, 1974-75, 1979-92, 1993-2003, 2006-20)
Debüt-Saison in 1. Division: 1936
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
9

Top 10 «Zweikämpfe» 2018/19 (Quelle: Instat)

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Wenn einer 13 Tore in einem Spiel schiesst, wird er automatisch für grössere Klubs interessant. Genau das gelang Paul Wolfisberg beim FC Horw, woraufhin sich der FC Luzern umgehend die Dienste des 16-jährigen Mittelfeldspielers sicherte. Mit dem Techniker stürmte der FCL in die Nationalliga A und gewann 1960 den ersten Titel der Vereinsgeschichte. Der Cup war auch die Geburt seines Markenzeichens, dem Vollbart. «Wir wollten uns erst rasieren, wenn wir im Cup verloren. Doch wir verloren nicht mehr», sagte der Captain später. Eigentlich wollte die Mannschaft unter sich feiern und schlich sich darum nach der Rückkehr zum Hinterausgang des Luzerner Bahnhofs hinaus, doch die Fans entdeckten ihre Helden und es wurde eine lange Nacht. Landesweite Bekanntschaft erlangte der Architekt später als Nationaltrainer. Unter ihm errangen «Die Wölfe» einige beachtliche Ergebisse, etwa den Sieg über England 1981, welche die Begeisterung für die Nati neu entfachten.

Cupsieg des FC Luzern 1960 (Quelle: Youtube)

Paul Wolfisberg im Fussball-Archiv SFL GLORY

FC St. Gallen 1879

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 6. Platz
Bester Skorer: Vincent Sierro (11T/3A/35Sp)
Besonderes: Mit Derek Kutesa stellten die Espen in der vergangenen Saison den Spieler mit den meisten Dribblings in der Raiffeisen Super League. Der Mittelfeldspieler ging 214 Mal ins Eins-gege-Eins und war 124 Mal erfolgreich. Nur Teamkollege Majeed Ashimeru hat eine höhere Erfolgsquote (62% vs. 58%)

Anzahl Saisons in 1. Division: 57. Saison(1935-37, 1939-45, 1949-50, 1968-70, 1971-93, 1994-2008, 2009-11, 2012-20)
Debüt-Saison in 1. Division: 1935
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
8

Top 10 «Dribblings» 2018/19 (Quelle: Instat)

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Kampf und Leidenschaft waren stets die höchsten Werte beim FC St. Gallen. Doch dann, im Juli 1980, reist plötzlich eine Grösse des Weltfussballs an. Jerzy Gorgoń (Artikel St. Galler Tagblatt), 30-jähriger Libero, WM-Dritter mit Polen, eine Legende in seiner Heimat, wo im Sportministerium ein überdimensioniertes Bild von ihm hängt. Die Erwartungen sind riesig, aber der Anfang schwer: Gorgoń bekommt ein winziges Hotelzimmer, wo er nichts zu tun hat, weil seine Mitspieler allesamt Amateure sind und tagsüber arbeiten. Dementsprechend mässig sind seine Leistungen anfangs. Der Unmut der Fans wächst so sehr, dass sogar der St. Galler Bundesrat Kurt Furgler eingreifen muss und versichert: «Gorgoń ist ein Klassemann!» Der Hüne mit der blonden Mähne zieht bei einem Mitspieler ein und wird bald zur Lebensversicherung der FCSG-Defensive. Nach drei Saisons tritt er zurück, fühlte sich da aber schon so wohl, dass er noch heute in der Ostschweiz lebt. Erst 1988 kann ein Transfer wieder ähnliche Euphorie in St. Gallen entfachen: Dann nämlich stiess ein gewisser Iván Zamorano zu den Espen.

Jerzy Gorgon in Mannschaft 1982/83 (Quelle: sportalbum.ch)

Jerzy Gorgon im Fussball-Archiv SFL GLORY

FC Zürich

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 7. Platz
Bester Skorer: Benjamin Kololli (10T/6A/30Sp)
Besonderes: Der FC Zürich setzte mit Simon Sohm in der vergangenen Saison den ersten Spieler in der Swiss Football League mit Jahrgang 2001 ein. Der mittlerweile 18-jährige Mittelfeldspieler absolvierte insgesamt 6 RSL-Partien für die Zürcher

Anzahl Saisons in 1. Division: 75. Saison(1933-34, 1941-46, 1947-57, 1958-88, 1990-2016, 2017-20)
Debüt-Saison in 1. Division:
1933
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
5

Neuer «RSL-Benjamin» - Simon Sohm

Stammtisch-Wissen: Klub-Legende

Der FCZ hatte im Sommer 1996 ausgesprochenes Pech: Torhüter Jörg Stiel wechselte zum FC St. Gallen, sein designierter Nachfolger Patrick Mäder verletzte sich in der Vorbereitung. Die Rettung kam unerhofft. Bei einem Trainingsspielchen gegen den FC Blue Stars verzweifelten die FCZ-Spieler schier an diesem Testspieler, der da beim Gegner im Tor stand. Sein Name: Ike Shorunmu. Der 29-jährige Nigerianer suchte in Europa nach einem Klub, nach dieser Leistung empfahlen die FCZler ihrem Management dringendst die Verpflichtung dieses Keepers. Sie sollten es nicht bereuen. Mit seinen Dribblings ausserhalb des Strafraums, Körpertäuschungen gegen gegnerische Stürmer oder der Vorliebe, Flankenbälle mit einer Hand einzufangen, stieg er umgehend zum Publikumsliebling im Letzigrund auf. Natürlich auch mit seinen unglaublichen Paraden wie jene im Zürcher Derby: Bei einem Penalty tauchte Shorunmu früh nach links, GC-Stürmer Kubilay Türkyilmaz wollte in aller Ruhe rechts einschieben. Doch Ike schaffte es irgendwie noch auf die andere Seite und wehrte den Ball ab. So gelang der erste Derbysieg seit sechs Jahren, und bald gab es für den FCZ, bis dahin Dauergast in der Abstiegsrunde, wieder europäische Nächte zu erleben. Nach 83 Ligaspielen für den Stadtklub zog Shorunmu weiter in die Türkei, kehrte aber später für zwei Kurzengagements beim FC Luzern und SC YF Juventus in die Schweiz zurück.

Ike Shorunmu im Trikot des FCZ

Ike Shorunmu im Fussball-Archiv SFL GLORY

FC Sion

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 8. Platz
Bester Skorer: Pajtim Kasami (8T/8A/34Sp)
Besonderes: Ermir Lenjani schoss im Spiel vom 7. April 2019 gegen den FC Luzern (2:2) nach nur 10 Sekunden das 1:0 und egalisierte damit den Rekord für das schnellste Tor in der Geschichte der SFL (seit 2003)

Anzahl Saisons in 1. Division: 52. Saison(1962-69, 1970-99, 2000-02, 2006-20)
Debüt-Saison in 1. Division: 1962
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
4

Lenjanis Rekord-Tor gegen Luzern (07.04.2019)

Stammtisch-Wissen: Klub-Legende

Schon manch schillernde Figur lief zeitweise im Sion-Trikot auf. Doch selbst unter diesen fällt Túlio Humberto Pereira Costa, auch Túlio Maravilha genannt, auf. Als er 1992 zum FC Sion stiess, galt er als talentierter Goalgetter. Doch mit seiner Extravaganz – seine Haarfarbe wechselte von Spieltag zu Spieltag, im Sittener Freibad präsentierte er stolz seine massgeschneiderte Badehose mit der Aufschrift «Túlio» – hatte er einen schweren Stand im Wallis. Zumal er auch betont lauffaul war. Nach 41 Spielen für Sion war man froh, in Botafogo einen Abnehmer gefunden zu haben. Für Túlio begann damit das Abenteuer Fussball erst richtig. Er wechselte unzählige Male den Verein, spielte in Ungarn, den Emiraten, Bolivien und vielerorts in der Heimat, wo er unter anderem mit seinem legendären Tuleta-Tor für Aufregung sorgte. Sein grosses Ziel: 1000 Tore zu erzielen, wie einst Pelé oder Romário. 2014 verkündete er, diese unglaubliche Marke endlich erreicht zu haben. Kritikern, die beim Nachrechnen nicht annähernd auf so viele Tore kamen, entgegnete er, er habe schliesslich auch in Testspielen, Benefizpartien und Amateurligen getroffen. Für seine Sion-Zeit setzte er beispielweise grosszügig 40 Tore ein, tatsächlich waren es nur 18. Kürzlich feierte Túlio seinen 50. Geburtstag, spielen tut er noch immer, derzeit bei Taboão da Serra in der Stadtmeisterschaft von São Paulo. Es ist der 33. Verein in seiner Karriere.

Tulio mit seinem legendären Tuleta-Tor (Quelle: Youtube)

Tulio im Fussball-Archiv SFL GLORY

Neuchâtel Xamax FCS

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 9. Platz
Bester Skorer: Raphaël. Nuzzolo (14T/14A/34Sp)
Besonderes: Xamax verhinderte den Abstieg in der abgelaufenen Saison auf die wohl spektakulärste Art und Weise: nach einem 0:4 im Barrage-Hinspiel drehten die Neuenburger die Partie im Rückspiel und retteten sich ins Penaltyschiessen. Da sicherten sich die Neuenburger mit 5:4 den Verbleib in der RSL

Anzahl Saisons in 1. Division: 40. Saison(1973-2006, 2007-12, 2018-20)
Debüt-Saison in 1. Division:
1973
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
3

Philippe Perret und Robert Lüthi «on fire» (31.08.1985)

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Er war der Marathonmann schlechthin: Philippe Perret gab 1978 sein Debüt für Xamax und blieb dem Klub seine ganze lange Karriere über treu. 20 Jahre, 540 Partien, 47'010 Spielminuten – das entspricht über einem Monat reiner Spielzeit – stand er auf dem Platz, mehr als jeder andere in der Schweizer Fussballgeschichte. Dabei erlebte er Legenden wie Uli Stielike, Don Givens, Heinz Hermann, Lajos Detari oder Hossam Hassam und durfte zwei Meistertitel (1987, 1988) feiern. Nicht nur in Sachen Klubtreue zeigte er eiserne Konsequenz: Als Trainer führte er den FC Biel später bis in die Spitzengruppe der Challenge League, trat aber von seinem Amt zurück, als Investoren ankündigten, fortan bei der Aufstellung mitreden zu wollen. Heute trainiert Perret die neu formierte U21 von Xamax – zusammen mit seinem langjährigen Mitspieler Robert Lüthi (321 Spiele). «Xamaxiger» kann ein Trainerduo nicht sein.

 

 

Interview mit Philippe Perret (Quelle: Teleclub/Youtube)

Philippe Perret im Fussball-Archiv SFL GLORY

Servette FC

Statistisches aus der Vorsaison

Klassierung: 1. Platz Brack.ch Challenge League
Bester Skorer: Miroslav Stevanovic (11T/14A/34Sp)
Besonderes: Servette schaffte zum zweiten Mal seit Gründung der Nationalliga 1933 den Aufstieg in die Bel-Etage des Schweizer Fussballs. Die entscheidende Partie in der 33. Runde gegen Verfolger FC Lausanne-Sport (3:1) sahen 20'055 Fans im Stade de Genève. Das ist neuer Zuschauerrekord für die Challenge League (Gründung 2003)

Anzahl Saisons in 1. Division: 75. Saison(1933-2005, 2011-13, 2019-20)
Debüt-Saison in 1. Division: 1933
Anzahl Aufstiege in 1. Division:
2

Mekloufi-Doublette im 2. Servette-Spiel (02.09.1962)

Stammtisch-Wissen: Klub-Legenden

Die wohl bedeutendste Figur in der glorreichen Historie von Servette spielte nur zehn Partien im granatroten Dress: der Algerier Rachid Mekloufi. Seinen Ruhm verdankte der Stürmer einer aufsehenerregenden Aktion: Ende der 50er-Jahre war Mekloufi bei Saint-Étienne einer der herausragenden Spieler der französischen Liga. Seine Heimat Algerien kämpfte gleichzeitig um die Unabhängigkeit von den französischen Kolonialherren. 1958, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, verschwand ein Dutzend algerischer Profis aus Frankreich, darunter auch der damals 22-jährige Mekloufi, und schloss sich zur inoffiziellen algerischen Nationalmannschaft zusammen. Vier Jahre lang tourte das Propaganda-Team durch die Welt, spielte (meist siegreich) in Afrika, der Sowjetunion oder in Jugoslawien, um auf den Befreiungskrieg in Nordafrika aufmerksam zu machen. 1962 endlich wird Algerien unabhängig, Mekloufi bringt sich bei Servette mit 10 Toren in 10 Spielen in Form, ehe er mit Saint-Étienne noch das Double gewinnt. In seiner Heimat ist er bis heute einer der grössten Helden überhaupt.

Rachid Mekloufi (Quelle: Youtube)

Rachid Mekhloufi im Fussball-Archiv SFL GLORY

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