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Was bringt das neue Geldspielgesetz?

Der ehemalige NLA-Fussballer, Trainer und Funktionär Roger Hegi (62) ist seit 2004 Direktor der Sport-Toto-Gesellschaft. Er durchlebt im Vorfeld der Abstimmung zum neuen Geldspielgesetz in der Schweiz bewegte Tage und nimmt im Interview Stellung.

Roger Hegi, die Sport-Toto-Gesellschaft konnte fürs Jahr 2017 rund 55 Millionen Schweizer Franken direkt an den nationalen Sport verteilen – gefühlt haben sich diese Beiträge in den letzten Jahren stetig gesteigert. Warum ist das so?

Roger Hegi: Die Beiträge waren über viele Jahre konstant oder leicht ansteigend. Dass wir 2017 ein spezielles Jahr hatten, hat zwei Hintergründe. Einerseits griff erstmals die auf Antrag von Swiss Olympic zwischen der Sport-Toto-Gesellschaft und den beiden Lotteriegesellschaften getroffene Vereinbarung, dass weitere 15 Millionen Franken für den nationalen Sport bereitgestellt werden. Das hat die Beiträge an Swiss Olympic massgebend erhöht. Der Schweizerische Fussballverband, die Swiss Football League und die Swiss Ice Hockey Federation partizipieren indirekt auch von dieser Erhöhung. Andererseits haben Swisslos und die Loterie Romande durch Anpassungen bei den Sportwetten und bei EuroMillions ihre Produkteattraktivität erhöht, was im letzten Jahr zusammen mit einer sehr langen Jackpotphase beim Swiss Lotto zu einem Rekordergebnis führte. Davon profitieren alle Beteiligten.

Also ist alles in bester Ordnung?

Der Online-Geldspielmarkt wächst jährlich um rund 15 Prozent, da können wir in der Schweiz bei Weitem nicht mithalten. Das hängt auch mit den aktuellen Gegebenheiten zusammen. Jedes Jahr fliessen rund 250 Millionen Franken aus der Schweiz zu bei uns nicht zugelassen Online-Geldspielanbietern aus Offshore-Staaten ab, die Tendenz ist zunehmend. Zudem haben sich die Casinoerträge zu Lasten der AHV in den letzten zehn Jahren bereits um rund 180 Millionen Franken auf 276 Millionen Franken verringert, also um rund 40 Prozent. Auch hier ist die Tendenz zunehmend. Wir befürchten, dass es den Lotterien mittelfristig ähnlich gehen wird.

Das Schweizer Lotteriegesetz stammt aus dem Jahr 1923 – nun wurde es modernisiert und mit dem Casino-Bereich zusammengeführt. Über dieses neue Geldspielgesetz stimmt das Schweizer Volk am 10. Juni ab. Was sind die wichtigsten Ziele, die das Gesetz verfolgt?

Das neue Geldspielgesetz regelt die Zulässigkeit und die Durchführung der Geldspiele in der Schweiz. Es sorgt einerseits dafür, dass die erwirtschafteten Erträge der Geldspielanbieter weiterhin in Kultur, Sport und die AHV fliessen. Andererseits wird sichergestellt, dass die Schweiz den Markt für Geldspiele reguliert und kontrolliert und den Schutz der Spielenden mit diversen Massnahmen gewährleistet.

Die Gegner, die das Referendum gegen das Gesetz ergriffen haben, werfen den Befürwortern vor, den freien Markt zu beschneiden und eine Schweizer Insellösung zu schaffen…

Das war letztlich ein politischer Entscheid. In der Schweiz sind derzeit 21 Lizenzen für Casinobetreiber vergeben, wir haben die höchste Casino-Dichte in ganz Europa. Die Hälfte der Casinos ist im Besitz von ausländischen Aktionären. Der Marktzugang ist also gewährleistet. Die Politik hat sich dahingehend entschieden, dass nur die 21 Anbieter, die terrestrisch Casinos betreiben, auch Onlinespiele betreiben dürfen.

Ist es nicht so, dass Onlineanbieter sehr schwer zu überwachen sind?

Nein, das funktioniert heute schon über Zugangssperren, die gegenüber nicht zugelassenen Online-Anbietern in bereits 17 europäischen Ländern angewendet werden. Die Aufsichtsbehörden führen jeweils schwarze Listen, auf welchen die Websites der illegalen Online-Geldspielanbieter aufgeführt sind. Zugriffe auf diese Sites werden auf eine Stopp-Seite umgeleitet. Der Spielende wird darüber informiert, dass die aufgerufene Seite in der Schweiz nicht zugelassene Geldspiele anbietet und keine Schutz- und Sicherheitsmass­nahmen vorsieht. Solche Regelungen gibt es in Frankreich, Italien, Belgien oder Dänemark. Die gesetzliche Grundlage, die das neue Geldspielgesetz liefert, erlaubt es, hier nachhaltiger durchzugreifen.

Das ganze Interview mit Roger Hegi finden Sie in der aktuellen Ausgabe von «Rotweiss» (www.rotweiss.ch), dem offiziellen Magazin des Schweizerischen Fussballverbands (SFV).

Zur Person:
Der am 28. Februar 1956 geborene Roger Hegi machte für den FC Aarau, den FC Young Fellows Zürich, den FC Luzern und den FC St. Gallen rund 450 Spiele in der Nationalliga. Später engagierte er sich als Trainer beim FC Gossau, dem FC St. Gallen und den Grasshoppers und amtete 2002-2003 auch als CEO beim FC Basel 1893. Seit dem 1. Mai 2004 ist er Direktor der Schweizer Sport-Toto-Gesellschaft (STG).

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